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Wie "frei" ist der Raspberry Pi eigentlich?

So schön der Raspberry Pi ist, klein, handlich, vielseitig orientiert und günstig, so frei ist er auch? Nun kommt der Raspberry Pi mit dem Linux-Kernel daher, auf einem Broadcom-Chipsatz hockend, der leider weitgehend proprietäre Treiber für seine Komponenten einfordert. In diesem Stadium ist der Raspberry Pi also nicht mit freier Software allein bootfähig. Hmmh...

Dabei wird es nicht bleiben. Die Community um den Raspberry Pi herum gedeiht und vervielfältigt sich weiter über den Globus. Gerade weil der Raspberry Pi zum Entwickeln und Programmieren anregen soll, werden eher früher als später freie Treiber für die Hardwarekomponenten nachgeschrieben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, weil zum einen die Community weiter bis in Millionenhöhe wächst und Raspian zur Standarddistribution wird. Der Entwicklungsdruck der Anwenderschaft und der von der Debian-Gemeinde übernommene hohe Freiheits-Anspruch  für den Einsatz von freier Software werden den Raspberry Pi mittelfristig um die Eigenschaft "frei" erweitern. Fehlt nur noch die Produktion mit einer zukünftigen Reprap-Version des Rasberry Pi's mit komplett freier Hardware ;-).

Die nächste Generation: Raspberry Pi-Spiel von 7-Jährigen

Die Rasbperry Pi Foundation möchte also Kids näher ans Eingemachte von Computern und deren Programmierung bringen. Der experimentelle Ansatz ist wirklich spannend. Und wen kümmerts, wenn da mal was kaputt geht. Einzelne Hardwareteile nachzukaufen, raufzulöten, -stecken oder pulen, kosten mit dem Raspberry Pi wirklich nicht die Welt - zumal im Vergleich (kann man nur wiederholen) zu teuren überausgestatteten Desktop-PCs oder gar Laptops, deren Einzelteile mitunter sogar festgeklebt sein können. Die einzelnen Tüftler-Boys and Girls experimentieren dabei nicht erst im Alter von sagen wir 14 Jahren an aufwärts, wo die Welt um sie herum sich im Hormoncocktail dramatisch dreht. Die eingehenden Berichte auf dem Blog der Raspberry Pi Foundation zeigen kleine einfache Spiele, programmiert von 7-Jährigen. (Na gut, zumindestens einem 7-Jährigen, aber das Potenzial spricht schon junge Kinder an). Ihre Grundlagen sind dabei die visuelle Einsteiger-Programmierumgebung Scratch auf einem Raspberry Pi Computer. Wer Scratch nicht kennt, denjenigen sei gesagt, dass Scratch auf der Programmiersprache Squeak beruht, die ihrerseits u.a. im 100-Dollar-Laptop-Projekt in Schüler-Laptops ihre Anwendung findet.

Was solls, Garagenexperimente gab es doch schon immer. Stimmt, aber das Aufregende ist eben die offene Bewegung um den Raspberry Pi und die junge Zielgruppe, die in Raspberry Jams sich zeigen. Raspberry Pi Jams werden im UK und darüber hinaus mittlerweile im Silicon Valley, Athen wie in Melbourne veranstaltet. Neugierige Kinder und Jugendliche können dort kleine experimentelle Projekte von anderen kennenlernen und mehr übers Programmieren erfahren. Nur noch eine Frage der Zeit hoffentlich, dass es solche Jams auch in Deutschland gibt, oder nicht?... Gleich mal nachgeforscht und siehe da! In Osnabrück gibt es offenbar Rasbperry Pi Jams. Gut, gut.

PS. Raspberry Pi ist für den Stuff Gadget Award, Kategorie Innovation of the Year nominiert. Alle Interessierten können dazu abstimmen (gleich mal direkt auf die Abstimmung für den Raspberry Pi verlinkt, wer mag, kann natürlich sich durch die anderen Nominierungen und Kategorien (spannend auch Spiele) informieren).

Raspberry Pi rein, Deckel drauf, fertig.

So werden Ober- und Unterteil des Gehäuses verbunden:

Falls der eingebettete Player nicht klappt, gibts das Video auch direkt bei Youtube.

Raspberry Pi Foundation rockt

2006 wurde engagierten Dozenten und Entwicklern an der Universität von Cambridge in UK klar, dass sie etwas tun sollten, um den schwindenden Programmierkenntnissen von Erstsemestlern der Informatik, etwas entgegen zu setzen. Der Grundgedanke für den Raspberry Pi und die Raspberry Pi Foundation war gelegt.

Noch in den 1990er Jahren waren viele beginnende Informatik-Studierende Hobby-Programmierer. Seit der Millennium-Wende änderten sich einige Rahmenbedingungen in der Gesellschaft. Junge Leute sollten lediglich auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, das Internet wurde zu einem zentralen Kommunikationsmedium, die Dot-Com-Blase platzte, multimediale Heim-Computer eroberten viele Haushalte. Faktoren wie diese trugen dazu bei, dass es vor allem in Schulen wichtigere Lernziele als die Grundlagen der Programmierung gab, nämlich Büro-Programme zur Text- und Tabellenverarbeitung und vielleicht noch rudimentäres Webdesign.

Nicht nur im UK war das so, sicherlich auch in Deutschland gab und gibt es ähnliche Tendenzen. Erinnere ich mich jedoch an meinen Informatikunterricht, gähne ich noch immer. Beginnend noch mit großen Floppys und Grundlagen in Turbo-Pascal, völlig befreit von irgendwelchen Spaß an Experimenten, endete der Unterricht kurz vor der Jahrtausendwende mit Tabellenkalkulation und groben Internetgrundlagen (was für halbwegs interessierte Jugendliche wie die sexuelle Aufklärung aus den 1950ern wirkte).

Die Raspberry Pi Foundation geht da andere Wege. Nicht nur, dass sie erkannt hat, dass hochgetunte Heim-Computer ärmeren Bevölkerungsschichten vorgaukeln, nur mit viel Geld gäbe es z.B. Zugang zum Internet. Der Raspberry Pi wurde in seiner Einfachheit und mit den geringen Kosten entwickelt, damit vor allem junge Leute sich mal trauen, etwas anderes mit so 'nem Computer zu machen, mal rumzuprobieren, spaßorientiert da rangehen können. Und das verbindet die Rasberry Pi Foundation nicht nur mit der Hardware des Raspberry Pis: Engagement in Schulen, Summer of Code Contests, Bloggen über die Vielfalt der Experimente sowie das regelmäßig erscheinende MagPi Magazine mit Essentials für Debian, C, neuesten Spielen etc. geben der Community Futter.

Abkühlung

Die Raspberry Pi CPU hat einige Übertaktungs-Reserven. Ein höherer Takt hat allerdings auch eine höhere Verlustleistung zur Folge, was ohne zusätzliche Kühlung zu einer Verkürzung der Lebensdauer führen kann. Wer Interesse an Übertaktungs-Versuchen hat oder auch einfach nur auf Nummer sicher gehen möchte, der/die kann auf folgendem Bild die maximalen Abmessungen sehen, die ein Kühlkörper haben darf, um problemlos in unser Gehäuse zu passen.

 

Was macht den Raspberry Pi so cool?

Ein kleines Stück Hardware, ähnlich wie es Smartphones innewohnt, erobert die Welt. Raspberry Pis sind kaum länger als ein halbes Jahr auf der Welt und schon ploppen die kleinen Himbeerkuchenwundertüten in allen Teilen der Welt auf. Ein Blick auf das Phänomen der Raspberry Pis bekommt ihr hier.

Verteilung der Raspberry-Pi-User auf der Welt. Quelle: www.rastrack.co.uk

Das muss man erstmal schaffen. Wie der Raspberry Pi ohne Gehäuse, lediglich als ein pures Stück Computer-Hardware, in der nicht leicht durchschaubaren Angebotswelt der multimedial vernetzten Alleskönner von Smartphones, Tablets, Netbooks und TV-Computer-Hybriden überhaupt zu sehen ist. Eine recht offensichtliche Erklärung mag vielleicht der Preis sein, schließlich nur ein kleiner Bruchteil dessen, was ein einfaches Smartphone kostet. Aber in Massen wird der Markt mit Raspberry Pis (noch) gar nicht überschwemmt. Der Raspberry Pi ist bewusst nicht genügend "endkonsumententauglich", so ganz ohne Schutz. Dennoch entsteht über Großbrittanien, dem Geburtsland des Boards, derzeit eine ganze Bewegung, die nicht nur Kontinentaleuropa, sondern auch Nordamerika, Australien und immer mehr sogenannte Erst-Welt-Länder erfasst. Eine Erfolgsgeschichte, die wohl mit der gleichen Faszination zutun hat, wie sie in den Jahren seit 2009 auch die Entwickler des Raspberry Pis bewegte: Mit Computern können wir mehr als nur mobiles Internet, Filme schauen und Zahlen durch Tabellen schieben. Je nachdem wie programmiert, können zum Beispiel kleine Lichtshows mit LED-Dioden, Roboter laufen, Spiele entwickelt oder gar nützliche Tools, die unseren Alltag erleichtern produziert werden. Die möglichen Anwendungsgebiete des Raspberry Pis werden durch die Community von Woche zu Woche erweitert.

Nichts besonderes? Ja, vielleicht für Entwickler Alltag, aber die Mehrheit der Bevölkerung hat gar keinen Zugang zu solchen Wegen - obwohl wir digitalisierter sind denn je (29% der Gesamtbevölkerung haben 2012 besitzen Smartphones laut aktueller Google-Studie). Raspberry Pis sind roh für den Preis von ca. 40 Euro unerhört günstig, für die Anzahl an Möglichkeiten, die das kleine Teil eröffnet.

Gut Ding will Weile haben

Nachdem das Modell des Raspberry-Pi-Gehäuses als 3D-Design fertiggestellt wurde, waren noch einige Prototypen notwendig, um eine exakte Passung herstellen zu können, die gleichzeitig das Board sicher hält und sich trotzdem gut lösen lässt. Da sich jedes Gehölz nach der Bearbeitung anders verhält, kann es eine Weile dauern, bis alle Details exakt abgestimmt wurden:

Prototypen der Raspberry-Pi-Gehäuse

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